Im Jahre 1909 wurde im Rahmen der Reichsfinanzreform gemeinsam mit einer Reihe weiterer Bagatellsteuern in Deutschland eine besondere Zündholzsteuer auf Streichhölzer und andere Zündwaren erhoben. Man erhoffte sich einen beachtlichen Ertrag, denn in anderen europäischen Staaten flossen dem Staat beachtliche Summen aus derartigen Steuern zu. 

Mit der Zündwarensteuer sollte auch der von latenter Überproduktion gekennzeichnete Markt reguliert werden. Eine Kontingentierung erlaubte den Herstellern eine Produktion zum normalen Steuersatz nur bis zu einem bestimmten Umfang. Bei Überschreiten dieser Menge wurde ein erhöhter Steuersatz auf die gesamte Produktion erhoben.

In der Zeit vor Inkrafttreten des Gesetzes versuchte die Bevölkerung, sich durch Hamsterkäufe einen möglichst großen, Monate oder Jahre reichenden Vorrat an unversteuerten Streichhölzern anzulegen. Obwohl die steuerliche Belastung für den Einzelnen verschwindend gering war, nahmen die Hamsterkäufe einen enormen, teilweise grotesken Umfang an. Der Import von Streichhölzern verdreißigfachte sich, während der Export um 70% zurückging und alle Fabriken bis an die Grenze ihrer Kapazität produzierten. 

Nach Inkrafttreten der Steuer minimierten weite Teile der Bevölkerung ihren Zündholzverbrauch, um in einer Art passivem Widerstand gegen die verhasste Steuer zu protestieren. Als Baukasten wurde die „Galopp“-Miniatur-Zündholzfabrik angeboten, mit deren Hilfe man seinen persönlichen Bedarf selbst fabrizieren sollte. Einige Hersteller boten Streichhölzer mit zwei Zündköpfen an. Einen ähnlichen Zweck verfolgte ein „Streichholz-Spaltapparat“, mit dessen Hilfe der Verbraucher seine Zündhölzer der Länge nach spalten konnte. 

Unter dem Motto „Mach‘ Dein Feuer ohne Steuer“ griff eine nicht unerhebliche Zahl wieder auf den umständlichen Feuerstahl zurück, nur um die Steuern zu umgehen. Das Gesetz enthielt allerdings eine Lücke: Besteuert wurden nur Streichhölzer und andere mit einem Zündkopf versehene Zündwaren, nicht aber mechanische Feuerzeuge.

„Unter den verschiedensten Formen tauchten die mechanischen Feuerzeuge beim Publikum auf. Am gebräuchlichsten und bekanntesten sind die Taschenfeuerzeuge, daneben aber auch die Zündzangen, Gaszünder, elektrische Zigarrenzünder und ähnliches mehr.“ Mit einer Werbung wie „Wir brauchen keine teuren Streichhölzer Mehr“ und „Macht Euch Feuer ohne Steuer“ pries man die Feuerzeuge an und freute sich über den „Reinfall des Staates mit der Zündholzsteuer“.

Es kam zu einem massiven Rückgang des Verbrauchs und in der Folge zu Fabrikschließungen, Massenentlassungen und Lohnkürzungen in der Zündholzindustrie. Die Besteuerung verstärkte jedoch nur einen bereits bestehenden Trend. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde „das Zündhölzchen vielfach schon als lästiges und unbequemes Feuerzeug empfunden“, da das elektrische Licht es ermögliche, „dass mit dem Öffnen der Zimmerthür zugleich auch die ganze Behausung in hellem Lichte erstrahlt.“ 

Es waren es weniger die Feuerzeuge, die den Verbrauch der Streichhölzer zurückgehen ließen. Denn mit der zunehmenden Elektrifizierung der Haushalte wurde das Anzünden von Streichhölzern durch eine Drehung am Lichtschalter ersetzt. Hinzu kam die Ablösung der Kohle- durch Elektroherde und der Einzelheizung mit Kohleöfen durch Zentralheizungen.