Als Pyrophore wurden chemische Verbindungen bezeichnet, die sich bei Raumtemperatur selbst entzünden, sobald sie der Luft ausgesetzt sind. „Das Erzeugnis entzündet sich, so wie es an die Luft kommt, und sprühet gleichsam von selbst Feuer. Nach einiger Zeit, wenn das Gefäß, worin der Pyrophor aufbewahrt wird, oft geöffnet worden, entzündet er sich erst beim schwachen Anhauchen, aber mit mehreren kleinen Explosionen, ganz so wie Kalium, und brennt dann Schwamm, Schwefelfaden, Tabak u.s.w. sicher und schnell an.“ 

Pyrophore bestanden in der Hauptsache aus Alaun und einem Kohlenstoffträger wie Honig, Mehl, Zucker oder Holzkohlenpulver, die miteinander vermischt und ausgeglüht wurden. Ein solcher Pyrophor wurde von dem Chemiker Homberg (1652-1715) entdeckt und Mitte des 18. Jahrhunderts auch vereinzelt zum Feueranzünden verwendet. Er musste unter Luftabschluss aufbewahrt werden, damit der Inhalt nicht verdarb oder sich von selbst entzündete.

Seit dem 17. Jahrhundert lassen sich verschiedene Rezepte für pyrophore Substanzen nachweisen, die im wesentlichen aus Schwefel und ungelöschtem Kalk gebrannt wurden. Die meisten dieser Rezepte wirken aus heutiger Perspektive recht seltsam und erinnern an ihre Herkunft aus alchimistischen Laboratorien.

Es mangelte auch nicht an Vorschlägen, die Erhitzung ungelöschten Kalkes im Wasser zur Feuererzeugung zu nutzten. Dabei wurden Baumwolldochte in flüssiges Wachs getaucht und die noch feuchten Dochte mit einer Mischung aus ungelöschtem Kalk und Schwefel oder Phosphor bestäubt. Beim Eintauchen der Spitze in etwas Wasser sollte sich der Docht entzünden. „Ihren Gebrauch beschränkt indessen der Umstand, daß der Kalk zu leicht aus der Luft Feuchtigkeit oder Kohlensäure anzieht, und dann seine Kraft verliert.“Daher blieben sie „mehr eine theoretische Spielerei und es hat Niemand im gewöhnlichen Leben aus Wasser Feuer gezogen.“