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"Es sind in etwa 4 Zoll lange gläserne Röhrchen eingeschlossene gewichste Tochte aus baumwollenem Garn, die an einem Ende mit einer Mischung aus Phosphorus, feinem Schwefel und einem wesentlichen Oel getränkt sind. Die Röhrchen sind an beyden Enden zugeschmolzen. Reibt man diese etwas in der Hand um sie zu erwärmen, und zerbricht sie alsdann etwas gegen das ungetränkte Ende des Tochtes zu, faßt den nunmehr freygewordenen Tocht an, und zieht ihn, nachdem man ihn etwas schnell in dem noch übrigen Ende des Röhrchens auf- und abgezogen und gedreht hat, heraus, so geräth er sogleich in Flammen. Sie können also statt eines Feuerzeugs dienen."
Georg Christoph Lichtenberg, 1784

Turiner Kerzchen oder Peylaische Lichtchen

Der weiße Phosphor wurde 1669 vom Hamburger Alchimisten Hennig Brand entdeckt. Brand hielt seine Herstellung zunächst geheim, doch das Rezept zur Phosphorgewinnung wurde 1680 von Robert Boyle und seinem Assistenten Ambrose Godfrey-Hankwitz veröffentlicht. Der weiße Phosphor war teuer und mangels praktischer Anwendungen kaum verbreitet. Er blieb eine Kuriosität auf Jahrmärkten, wo Wahrsager seine Eigenschaft, im Dunkeln zu leuchten, zur Irreführung des Publikums nutzten.

Die leichte Entflammbarkeit wurde erstmals 1779 zur Herstellung eines Feuererzeugungsgerätes genutzt. Der Turiner Arzt Louis Peyla erfand die nach ihm benannten Peylaischen Lichtchen, die auch unter der Bezeichnung Turiner Kerzchen bekannt wurden. Dabei handelte es sich um etwa 6 cm lange Glasröhrchen, die an beiden Enden zugeschmolzen waren. Im Inneren befand sich ein Docht, der an einem Ende mit einer Phosphor-Schwefel-Mischung getränkt war. Man rieb die Röhrchen etwas, um sie zu erwärmen, zerbrach sie und zog den Docht  heraus, der sich beim Kontakt mit dem Luftsauerstoff entzündete. 

Obwohl man sie nach Lichtenberg "jetzt in ganz Europa zum Kauf herumträgt", bewährten sie sich in der Praxis nicht. Sie entzündeten sich häufig gar nicht und konnten während ihres ersten Aufflammens schon von einem leichten Luftzug wieder ausgelöscht werden. Man empfahl sie für "Frauenzimmer", die nicht mit elektrischen Feuerzeugen umzugehen wüssten und bemängelte, dass sie "bey allen dem mehrenteils fehlschlagen, und einen abscheulichen Gestank im Zimmer verbreiten, und wohl gar ... Finger und Kleider schändlich besprützen, und bis auf die Knochen durchbrennen." 

Sie waren leicht zerbrechlich und daher feuergefährlich, was einige Behörden dazu veranlasste, sie zu verbieten. "Daß dieses ein sehr gefährlicher Hausrath sey, bedarf nach dieser Beschreibung keines Beweises. ... Unser hiesiger Magistrat hat also mit Recht den Verkauf dieser Lichtchen, die in den Händen unwissender und nachlässiger Menschen sehr viel gefährlicher für eine Stadt sind, als Schießpulver, eingeschränkt."

 


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