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Mittelalter
Neuzeit
Damenrasierer
Ladyshave
 

»Die Mode ärmelloser Kleider sowie die modernen Badeanzüge setzen bei der gepflegten Frau die Enthaarung der Achselhöhle voraus.«
Messer & Schere, 1964

 

»Was auch immer Ihre Meinung zu diesem Punkt sein möge: Wenn Sie einen Badeanzug, ein Abendkleid oder ein ärmelloses Sommerkleid tragen, dann müssen Sie die Haare aus den Achselhöhlen entfernen. Sonst bieten Sie Ihren Mitmenschen einen unangenehmen, unästhetischen und irgendwie unerlaubt intimen Anblick.«
Arletta Hahn, 1954

 

»Wenn sie eine Gegnerin des Rasierens der Achselhöhlen sind, dann schneiden Sie die Haare in den Achselhöhlen auf jeden Fall kurz ab.«
Lilo Aureden, 1959

 

»Wenn der Haarwuchs auf den Beinen allzu kräftig ist, bleichen Sie die Haare von Zeit zu Zeit mit Wasserstoffsuperoxyd. Laufen Sie aber bitte nicht mit lang-, dicht- und dunkelbehaarten Beinen herum, das wirkt recht unästhetisch. Viele Frauen rasieren sie.«
Arletta Hahn, 1954

 

»Blonde Haare auf den Unterarmen wirken nicht störend,« hieß es, »sie sind fast unsichtbar, und auf gebräunter Haut sind sie sogar sehr reizvoll. Ein dunkler, kräftiger Haarwuchs auf den Unterarmen ist nicht sehr ästhetisch, und mit einer Wasserstoffsuper­oxydlösung können die Haare leicht aufgehellt werden.«
Arletta Hahn, 1954

 

»Elektrische Rasur ist eine Lappalie. Trotzdem scheuen sich viele Frauen davor, wahrscheinlich lehnen sie die Rasur ab, weil sie in ihr eine schlechterdings maskuline Verrichtung sehen. Wer sich über dieses Vorurteil hinwegsetzt, handelt vernünftig, zumal es sehr hübsche elektrische Damenrasierer gibt.«
Liselotte Enderlein, 1974  

  

 

 

Ladyshave

Bei Markteinführung der ersten elektrischen Rasierapparate in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre wurden Frauen ebenso wie Männer angesprochen. Den im Jahre 1936 produzierten ersten Remington-Elektrorasierer bot man in einer Farbvariante für die weibliche Kundschaft an.

In der Zeit des Nationalsozialismus waren derartige kosmetische Maßnahmen ungeliebt, befand man sich doch in einer »Abwehrstellung gegen die entartete Schönheitspflege westlicher Herkunft«. Kosmetik galt »als der deutschen Frau des dritten Reiches unwürdig«. Doch die Parteipropaganda hatte ihre Grenzen und blieb in manchen Bereichen des täglichen Lebens ohne die erwünschte Wirkung.

Während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit verbreitete sich die Rasur der Frauenbeine, da keine kunstseidenen Strümpfe zu bekommen waren. Die Beine wurden rasiert und mit brauner Schminke oder gar Brühwürfeln eingerieben. Die Naht wurde mit einem Augenbrauenstift gezogen und so die fehlenden Strümpfe vorgetäuscht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tauchten Perlon- und Nylonstrümpfe auf dem europäischen Markt auf. Die Nylonstrümpfe waren wesentlich durchsichtiger als solche aus Kunstseide. Ende der fünfziger Jahre begann sich der nahtlose Strumpf durchzusetzen. Er sollte im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Kleidungsstück nicht mehr in Erscheinung treten, sondern ein nacktes Bein vortäuschen. Um diesem ein makelloses Aussehen zu verleihen, war es besonders wichtig, womöglich durch den Strumpf sichtbare Haare zu entfernen.

Die Werbung der 195er Jahre beschrieb die Körperbehaarung als »unerwünscht«, »überflüssig«, »störend« und »lästig«, und es galt, dieses Problem »auf elegante Art« zu entfernen. Die ärmellosen, leichten Kleider der fünfziger Jahre, knapper werdende Badeanzüge und Bikinis und die aufkommende Strand-, Urlaubs- und Freizeitmode ließen den Bedarf an Ladyshaves wachsen.

Im Vergleich zur Vorkriegszeit hatte sich ein bindenderer Verhaltensstandard herausgebildet, der die Enthaarung der Achselhöhle  als unerlässlich ansah. Die Entfernung der Haare auf den Beinen war demgegenüber weniger bindend und beschränkten sich auf besonders dichten und dunklen Haarwuchs. Dabei ließen sie die Möglichkeit des Bleichens der Haare offen. Die Entfernung der Haare auf den Armen und Händen spielte dagegen eine untergeordnete Rolle.

Während amerikanische Hersteller schon früh speziell für Frauen produzierte Elektrorasierer in der Bundesrepublik anboten, hielten sich die europäischen Produzenten zurück. Bis in die 1970er Jahre hinein bestanden bei der Kundschaft gewisse Vorbehalte gegen den elektrischen Ladyshave. Derzeit werden die mit Schersystemen arbeitenden Ladyshaves zunehmend durch Epiliergeräte abgelöst, die die Haare einfangen und an der Wurzel ausziehen. 

Heute bezeichnet die Werbung Haare weniger als lästig oder unerwünscht. Es herrscht der allgemeine Eindruck vor, die Haarentfernung sei integraler Bestandteil der Schönheits- und Körperpflege jeder sportlichen und modebewussten Frau. Die Enthaarung soll dabei zu einer Zunahme der erotischen Ausstrahlung der Benutzerin führen. 

Dabei stellt heute die Entfernung der Schamhaare in dem als »Bikinizone« bezeichneten Bereich der für die Beine weit ausgeschnittenen Bademode einen wichtigen Verwendungszweck der Ladyshaves dar. Unter dem Eindruck erotischer Bilder und Darstellungen gelangte in den letzten Jahren auch die teilweise oder vollständige Rasur der Schambehaaarung zu einer Bedeutung, die längst  über ihre frühere Fetischisierung hinausgreift und sie schon fast als Teil bürgerlicher Normalität erscheinen lässt.

 


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