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"Pneumatische Feuerzeuge in Gestalt eines kleinen Cylinders zu 2 Rhtlrn.; in Gestalt eines Stockes mit einem Fache für Schwamm und ein Wachslicht zu 3 Rthlrn.; und mit einer schönen in dem Stocke verborgenen Tabakspfeife für 4 Rthlr. preußisch Courant."
Anzeige des Instrumentenbauers Winkler in Berlin, 1808

 

 

 

 

 

 

"Das pneumatische Feuerzeug bleibt aber in jedem Falle unbequem zu gebrauchen, und da die Entzündung des Schwammes nicht ohne Ausnahme gelingt, so ist das Ganze mehr ein physikalischer Apparat als ein Geräth für das praktische Leben."
Karl Karmarsch, 1835

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Diese kleinen, durch den Reiz der Neuheit früher sehr allgemein verbreiteten Tachopyrien sind daher bald wieder aus der Mode gekommen."
Johann Samuel Traugott Gehler, 1827

 

Pneumatische Feuerzeuge

"Das pneumatische Feuerzeug, auch bekannt unter dem Namen Mollet'sche Pumpe, besteht aus einem messingenen, zinnernen, oder aus jedem andern Metalle, wohl auch aus einen aus dickem Glase gefertigten Cylinder, der an einem Ende offen und an dem andern verschlossen ist. In diesem Cylinder laßt man einen Kolben spielen, welcher luftdicht schließt. Das Ende des Kolbens hat eine kleine Vertiefung mit einem Häkchen, an welchem man ein wenig Feuerschwamm befestigt. Man treibt diesen Kolben rasch gegen das verschlossene Ende der Röhre und zieht ihn ebenso rasch wieder zurück, worauf man den Feuerschwamm entzündet finden wird."


Pneumatisches Feuerzeug aus Glas
Deutschland, gegen 1820
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt) 

So beschrieb Christian Heinrich Schmidt im Jahre 1840 die Wirkungsweise des pneumatischen Feuerzeuges, das gelegentlich auch als Kompressionsfeuerzeug bezeichnet wird. Dass sich die Temperatur von Luft erhöht, wenn man sie komprimiert, lässt sich beim Aufpumpen eines Fahrradreifens leicht nachvollziehen. Die vorhandene Energie wird durch die geleistete Arbeit beim Herabstoßen des Kolbens erhöht, ohne dass sie nach abgegeben werden kann. Dadurch erwärmt sich die Luft. Bei einer Verdichtung auf ein Viertel des ursprünglichen Volumens erhöht sich die Temperatur der Luft auf 210°C - ausreichend, um einen salpetergetränkten Feuerschwamm zu entzünden.


Pneumatisches Feuerzeug
Frankreich, gegen 1810
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Die Entzündung beim Zusammenpressen von Luft wurde im Jahre 1802 zufällig von einem Arbeiter in der Gewehrfabrik Saint Etienne en Forez (Loire) beobachtet, als sich durch plötzliche Luftkompression ein Stück Leinwand entzündete, das in den Auslass der Luftpumpe einer sogenannten Windbüchse gestopft war, dem Vorläufer unserer heutigen Luftgewehre. Der Lyoner Physiker J. Mollet prüfte das Phänomen nach und veröffentlichte es im Jahre 1803. Der Pariser Instrumentenbauer Dumotiez ermittelte daraufhin das kleinste Volumen des Zylinders, bei dem die noch vorhandene Luftmenge ausreichte, den Zündschwamm in Brand zu setzen. Nachdem er die Ergebnisse seiner Versuche 1806 publiziert hatte, bot er diese handlichen, mit einem möglichst kurzen Kolben versehenen "briquets pneumatiques" in verschiedenen Ausführungen zum Kauf an.


Pneumatisches Feuerzeug in einem Spazierstock
Deutschland, gegen 1845
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Das Phänomen fand seinerzeit große Beachtung und wurde in der physikalischen Fachwelt ausführlich diskutiert. Dies hat zur weiten Verbreitung pneumatischer Feuerzeug in wissenschaftlichen Sammlungen beigetragen und sie wurden "mit Recht als unentbehrliche Apparate der physikalischen Cabinette angesehen". Zu einer Zeit, als der Energieerhaltungssatz noch nicht formuliert war, glaubte man, mit dem pneumatischen Feuerzeug die Entstehung und das Wesen der Wärme erklären zu können. Man nahm an, ein unbekannter "Wärmestoff" werde durch den Druck aus der Luft herausgepresst oder die erhöhte Dichte vermindere die Speicherfähigkeit der Luft für Wärme und der Überschuss werde nun ausgeschieden.


Portrait mit pneumatischem Feuerzeug
Deutschland, 1845
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Da die zum Bau eines solchen Feuerzeugs benötigten Maße von Kolben und Zylinder durch Dumotiez' Publikationen bekannt waren, nahmen Mechaniker in verschiedenen europäischen Ländern ab 1807 die Herstellung von Kompressionsfeuerzeugen auf. Besonders beliebt waren die in den oberen Teil eines Spazierstocks eingebaute pneumatische Feuerzeuge. Zum Gebrauch zog man die mit dem Kolben verbundene Stockspitze heraus, stellte sie auf den Boden und drückte dann - bei Bedarf mit dem ganzen Körpergewicht - auf den Knauf. Anschließend schraubte man den Knauf ab und fand auf dessen Innenseite den glimmenden Feuerschwamm.  

Das pneumatische Feuerzeug konnte dem Feuerstahl als dem am weitesten verbreitetes Feuererzeugungsgerät keine Konkurrenz machen. Ihm haftete stets der Geruch einer physikalischen Kuriosität an und entgegen der in seinem zeitgenössischen Namen "Tachopyrion" - Schnellfeuerzeug - enthaltenen Versprechung war der praktische Nutzen der unhandlichen Geräte begrenzt. s. Zudem stand einer weiteren Verbreitung die Vorteile der neu erfundenen, billigen und brauchbaren Vorläufer der Streichhölzer entgegen. Daher gerieten sie in den frühen 1830er Jahren allmählich in Vergessenheit.

 


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